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Veröffentlicht am 09.05.2016 von nemesis

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Interview Bob Wayne

No more “Dirty Deeds Done Dirt Cheap”!

David Wayne dürfte den als Frontman von Metal Church wohl ein Begriff sein. Der Gute hat zudem ein Solo-Projekt unter dem Namen Wayne bei den Donzdorfern Nuclear Blast gestartet und dazu wurde so ausgiebig unterhalten. Der Einstieg in dieses Interview kann aber nicht ohne einen Rückblick auf die Metal Church- Geschichte erfolgen.

Irgendwie haben es die Jungs um Kurdt Vanderhoof nie so richtig geschafft, es kam immer etwas dazwischen. Dabei hätte MC, wenn es das Schicksal etwas besser mit der Band gemeint hätte durchaus in einem Atemzug mit Metallica oder anderen Heroen genannt werden können. Die Anfänge von Metal Church gehen bis ins Jahr 1979 zurück und wenn man den Aussagen glauben darf, entstand der Name Metal Church mehr oder weniger zufällig, weil die Wohnung von Mastermind Kurdt Vanderhoof in SanFrancisco damals so eine Art Anlaufstation für Metal-Freaks war und von diesen ehrfurchtsvoll als „Metal Church“ bezeichnet wurde.

Weiter in der Geschichte

Kurdt stammte aus Seattle und zog Anfang der 80er von Frisco wieder dort hin, gründete eine Band, die er dann auch folgerichtig Metal Church nannte. Das Line Up bestand aus Sänger David Wayne, den Gitarristen Kurdt Vanderhoof und Craig Wells, das Viersaiten-Langholz bediente Duke Erickson und hinter dem Drumkit saß Kirk Arrington. 1984 wurde über Ground Zero Records das selbstbetitelte Debütalbum zum ersten Male veröffentlicht, 1985 ein zweites Mal dann beim Major Elektra. Ohne Zweifel war die erste Scheibe ein sehr starkes Album und hat mittlerweile einen legendären Ruf. Übrigens kam der Deal mit Elektra Records auf Vermittlung von Metallica zustande. Überhaupt kreuzten sich die Wege vom Metal Church und Metallica einige Male. Das zweite MC-Album „The Dark“ (1986) war und ist eine phänomenale Scheibe, die zeigt, dass die Band das Zeug zu den absoluten Topacts des Metal gehören könnte.

Line-up-Hin-und-Her

Weil man aber ständig in Amerika auf Tour war, beschloss Kurdt Vanderhoof, sich das nicht mehr anzutun und „verschwand“ im Hintergrund, um sich als Produzent und Songschreiber zu betätigen. Sein Nachfolger wurde John Marschall, der zeitweilig bei Blind Illusion seine Karriere forcieren wollte. Sein Hauptbrötchen verdiente er aber als Gitarren-Techniker bei Metallica’s Kirk Hammett. Auch David Wayne verließ nach „The Dark“ die Metallkirchler und wurde durch den Ex-Heretic-Shouter Mike Howe ersetzt.

Kein leichter Job für den, die Akzeptanz der Fans war über Jahre hinweg nicht gerade enthusiastisch, obwohl er stimmlich David Wayne live mehr als ersetzte. Ein Schicksal, das er z. B. auch mit Blaze Bayley teilt, der bei Iron Maiden es nie geschafft hat, den charismatischen Bruce Dickinson vergessen zu machen. Auch David Wayne hatte dieses Charisma in den Augen der Fans. Das dritte Opus „Blessing in Disguise“ (1989) schlug ein wie eine Bombe, enthielt es doch Paradenummern wie „Badlands“. Im gleichen Jahr tauchte David Wayne wieder aus der Versenkung mit seiner Band „Reverend“ auf, benannt nach seinem Spitznamen. Das bei Charisma veröffentlichte Album „The World Won’t Miss You“ war aber nicht unbedingt das Gelbe vom Ei und konnte David Wayne nicht den Erfolg geben, den er sich erhofft hatte.

Null-Promo mit Konsequenzen

„Play God“ und das 1992 veröffentlichte Live-Album „Live“, das war es aber dann auch. Metal Church veröffentlichte 1991 das ebenfalls sehr starke Album „The Human Factor“ auf Sony/ Columbia Records und bewiesen als Headliner des Dynamo Open Air, dass sie Ihren Ruf als sagenhafte Live-Band wirklich verdienten. „Hanging In The Balance“ sollte dann das fünfte reguläre Album der Band sein, das in Deutschland 1994 veröffentlicht wurde, in den Staaten aber bereits ein Jahr zuvor. Allerdings war dem Album in den USA kein sonderlich großer Erfolg beschieden, denn es wurde nur auf einem Independent-Label herausgebracht. Die Folge von der eigentlichen Null-Promotion war, dass die Band mehr oder weniger in der Versenkung verschwand.

Weg nach unten

Einen nicht unerheblichen Anteil am „Untergang“ von Metal Church hat auch ein gewisser Kenny Laguna, seines Zeichens Manager der Band, der die an sich sehr guten Songs von „Hanging In The Balance“ ohne jegliche Rücksprache mit Bandboss Kurdt Vanderhoof und Koproduzent Paul O’Neill (Savatage) neu abmischen ließ, was dem Album nicht gerade gut bekam. Muffliger Gitarren-Sound und Drums wie aus einem Wattehaufen heraus, nichts blieb von der Klarheit die sonstige MC-Scheiben auszeichnete. Dass er sich dann auch noch Gelder, die das Label als Vorschuss auf das neue Album vorgestreckt hatte unter den Nagel riss, förderte die Karriere von Metal Church nicht unbedingt. 1998 erschien dann über das SPV-Label Steamhammer „Metal Church Live“ mit Sänger David Wayne. Ein Jahr darauf folgte das bislang letzte Album „Masterpeace“, dessen Songs zwar nicht so schlecht waren, aber einen meiner Meinung nach grottenschlechten Sound hatte.

Ein Auftritt in Wacken folgte, denn man getrost unter der Rubrik „Gigs, die man am besten schnell vergisst“ abheften kann. Man merkte, dass die Chemie nicht mehr so recht stimmte. Was blieb sind also exzellente Alben wie das Debüt-Album „Metal Church“, der Nachfolger „The Dark“, „Blessing In Disguise“ und „The Human Factor“, die zu den Meilensteinen der Metal-Mucke zählen. Tja und jetzt meldet sich David Wayne mitWayne wieder zurück. Und es ist meiner Meinung nach besser, als alles was Metal Church zuletzt den Metalfreaks um die Ohren hauten. Womit wir nun endlich beim Interview sind…Pünktlich um 19.00 Uhr meldete er sich dann auch bei mir in einer Lautstärke, die einen Toten aufgeweckt hätte…Irritiert war ich allerdings erst einmal wegen der Nebengeräusche die aus dem Hörer drangen. Das sollte sich aber recht schnell aufklären, denn der Reverend beliebte zu speisen und gleichzeitig zu reden…übernahm auch gleich die Initiative und hatte viel zu sagen…

Rede und Antwort

DAVID WAYNE: Hi George, kann das sein, dass da im Hintergrund „Mississippi Queen“ läuft? Wie findest Du meine Version?

Red: „Als alter Mountain-Fan war ich natürlich sehr neugierig auf deine Coverversion. Ich könnte mir vorstellen, dass Leslie West, wenn er noch leben würde, davon sehr angetan wäre.“

DW: „Tja, das denke ich auch. Wir haben allerdings den Song etwas komprimiert und mehr auf Metal getrimmt. Freut mich, dass er dir gefällt… (Schmatz, schmatz).

TR: Warst Du eigentlich mit Metal Church’s „Masterpeace“ zufrieden, der Sound ist ja wohl etwas…hmmm…flach.

DW: Oh yeah, da muss ich dir zustimmen, wenn es nach mir gegangen wäre, würde „Masterpeace“ ganz anders geklungen haben. Aber Kurdt Vanderhoof wusste wieder mal alles besser. Ich würde ihn zwar nach wie vor als Freund von mir bezeichnen, aber in diesem Falle, hat er einfach nur Scheiße gemacht. Wir hatten ‚ne Menge Streit. Gut, ich bin nicht der Boss von Metal Church, es ist Kurdt’s Baby und er muss also auch damit leben, so einfach ist das. Ich will dir mal was verraten. Der erste Song „The Choice“ auf meiner neuen Scheibe ist Kurdt Vanderhoof gewidmet. Ich hoffe er hört ihn sich mal an. Nicht, dass ich ihn fertig machen will, wie ich schon sagte, er ist nach wie vor ein Freund von mir, aber es gibt da einige Dinge, die ich schon lange mit mir rumtrage und in diesem Song verarbeitet habe. Außerdem ist doch „The Choice“ wohl mehr ein typischer Metal Church-Song als alles andere was er in der jüngsten Vergangenheit geschrieben hat.

Ideale Besetzung

Red: Nun hast du ja mit Craig Wells einen Mitstreiter aus alten Tagen im Line-up mit an Bord. Musstest du viel Überzeugungsarbeit leisten, oder hat sich das einfach so ergeben?

DW: Hey, ich bin mit ihm durch alle Höhen und Tiefen gegangen, die du dir vorstellen kannst. Es gab nie einen Zweifel, dass er nicht bei Wayne mitmachen würde. Und mit Jimi (Bell, git.), Mark (Franco, bass) und B.J. Zampa (drums) habe ich ideale Leute, die meine musikalischen Ideen und Vorstellungen auch dementsprechend umsetzen können.

Red: Als du das erste Mal den Final Mix deiner neuen Scheibe im Studio gehört hast, entsprach das genau den Vorstellungen die du hattest, als ihr zusammen ins Studio gingt?

DW: Also mal ganz ehrlich. Meine Vorstellungen, wie Metal zu klingen hat, die stehen seit eh und je. Was ich nicht wollte ist eine „Dirty Deeds done dirt cheap-Production“ wie es „Masterpeace“ war. Hör dir doch mal „The Hammer Will Fall“ an. So muss Metal sein, rau und dreckig, eben Rock’n’Roll. Zu deiner Frage, ja ich denke, dass alle – nicht nur meine – Vorstellungen umgesetzt worden sind. Natürlich kann ich nie hundertprozentig zufrieden sein und mich satt zurücklehnen und sagen, das war’s. Ein Musiker muss immer kritisch zu seinen eigenen Werken stehen. Wer das macht, kann sich nicht weiterentwickeln. Ich habe sicherlich nicht mit Wayne“den Metal neu erfunden, aber es ist ein Album, dass zu dem Besten zählt, was ich je aufgenommen habe. Für mich ist wichtig, dass die, die mich kennen, wissen, dass ich immer noch was zu sagen habe im Rock’n’Roll. Und diejenigen, die mich noch vor ein paar Jahren wegen meiner Kokain-Abhängigkeit als Loser sahen, werden eben umdenken müssen.

With a little help

Red: Stichwort Kokain, ich hoffe du erlaubst mir eine Frage hierzu?! Was hat dich eigentlich davon abgebracht?

DW: Es war nicht einfach. Zumal mich ein alter Weggefährte, dessen Namen wohl jeder kennt, mit seiner täglichen Frage, ob ich Stoff für ihn hätte, auch nicht gerade von diesem Höllentrip weggebracht hatte. Irgendwann habe ich gemerkt, wenn ich so weiter mache, dann werden bald die Würmer an mir nagen. Um wegzukommen von dieser fuckin’ Droge, brauchst du ein intaktes Umfeld, dass dich auffängt. Das hatte ich lange Zeit nicht, immer diese Tourerei, das Abhängen in den Kneipen, der Alkohol, du verlierst ohne es zu merken den Boden unter den Füssen. Ich dachte an Entzug in der Betty Ford-Klinik, habe aber entschieden, dies dem vorhin erwähnten Knaben zu empfehlen und mich selbst aus dem Sumpf zu ziehen. Was mir dank ein paar treuen Freunden und einem Wechsel im Privatleben auch gelungen ist, wie du siehst.

Musiker unter sich

Red: Als ich vor ein paar Wochen David Mustaine interviewte, sagte er mir, dass in erster Linie, neben seiner Familie, er es der Musik zu verdanken hat, dass er seine Drogenabhängigkeit überwunden hat.

DW: Was die Musik anbelangt, so kann ich das nicht ganz so bejahen, denn wenn du dir ein paar Linien reingezogen hast, dann findest du jede Art von Musik geil…nein, du musst einfach zu dir selbst wieder finden. Ich bin froh, dass ich’s geschafft habe, brauch das Scheißzeug nicht mehr. So viel zu meiner Drogenvergangenheit, jetzt lass’ uns mal wieder auf meine Scheibe zurückkommen…

Studio muss halt sein

Red: Als Frontman von Metal Church und auch Reverend hast du dir ja einen exzellenten Ruf als Entertainer erarbeitet. Von daher könnte ich mir vorstellen, dass Studioarbeit nicht unbedingt dein Ding sein müsste?

DW: Ganz klar, ich stehe lieber auf der Bühne, der Kontakt zu den Fans ist der Motor meiner Performance. Außerdem kann ich da auch meine Aggressionen ausleben. Auf der Bühne zu stehen, kann ja auch so was wie Therapie sein. Andererseits ist Studioarbeit auch faszinierend, wenn du die richtigen Leute um dich herum hast. Normalerweise ist der Sänger als Letzter im Studio dran, das kann schon recht langweilig sein. Diesmal aber war es anders bei den Aufnahmen im Silvercloud Studio in Los Angeles. Joe Floyd und Warren Croyle sind Profis, die sofort wissen und spüren, was ein Musiker will.

Von daher war es recht relaxt. Da WAYNE mein Baby ist, war ich natürlich während der ganzen Aufnahmezeit – alles in allem knapp drei Monate – anwesend. Ich habe ja selbst ein Studio und weiß daher was zu tun ist.

Red: Für mich klingt das Album so, als wäre es bewusst so aufgenommen worden, um den Sound auch live reproduzieren zu können. Ich meine damit, dass es nicht wie bei Produktionen anderer Bands eine Unmenge von Samples oder gedubbten Gitarren gibt, die auf der Bühne entweder jede Menge Gastmusiker erforderlich machen oder via Band eingespielt werden müssen.

DW: Ich mache Rock’n’Roll und nicht irgendwelche Soundspielchen, die letzten Endes der Fan gar nicht hören will. Die Leute die zu Metal Church oder auch mir kamen / kommen, wollen genau das Gefühl haben, das Metal ausmacht: Raue, griffige Musik, gute Hooklines und vor allem handgemachte Mucke. Wer meint Bombast-Musik hören zu müssen. Der soll zu Emerson, Lake & Palmer oder dergleichen Bands gehen, mein Ding ist das nicht. Wer je Metal Church oder Reverend gesehen hat, der weiß, dass ich mich auf eine solche Kacke nie einlassen würde. Warum sind wohl heute noch Bands wie AC / DC so angesagt? Mann, die spielen eben Rock’n’Roll and so I am…. Aber um deine Frage zu beantworten, yeah, das Album ist so gemacht, dass wir es live genauso rüberbringen können. Klar wir werden auf der Bühne noch etwas rauer sein, die Songs ein wenig schneller spielen, die Gitarrensoli vielleicht nicht exakt die gleichen sein, aber insgesamt wird jeder Fan, die Songs wieder als Originale erkennen….

Red: Was hältst du denn von Alben wie Metallica’s „S & M“

DW: Ich kenne die Jungs sehr gut. Deshalb bitte die nächste Frage….

Red: Gibt es persönliche Faves auf Wayne?

DW: Eigentlich mag ich jeden Song, denke, dass wir vermieden haben irgendwelche Fillers draufzupacken, nur um 70 oder mehr Minuten Spielzeit zu haben. Mein Album hat 40 Minuten, soviel wie früher eine Vinylscheibe hatte und das ist gut so. Persönliche Favoriten? Also da wären „The Choice“, habe ich dir eigentlich schon erzählt, wem der Song gilt? Ja? Dann ist’s gut. The Hammer will fall, Hannibal, D.S.D., Mississippi Queen und vor allem Ballad for Marianne sind die Tracks, die ich, wenn überhaupt, bevorzugen würde. Ich stehe hinter jedem Song, sonst wäre er nicht auf der CD.

Red: Was können wir in Zukunft von Wayne erwarten? Wird es eine Tour geben, mit Terminen in Deutschland?

DW: Pläne haben wir schon, aber im Moment kann ich Dir noch nichts Definitives sagen. Sicher ist, dass wir in den Staaten touren werden. Sollte sich etwas ergeben, dann werdet ihr das frühzeitig erfahren. Schau einfach in unserer Webpage nach. Ansonsten denke ich, dass ihr von WAYNE noch Einiges in der Zukunft erwarten könnt, wir stehen erst am Anfang.

photocredit: https://www.facebook.com/BobWayneOfficial/photos

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